KOMMUNALWAHL 2021

 Übers Ostend   Hier tut sich was   Kandidaturen 

 

Übers Ostend

Auf Befehl Napoleons musste Frankfurt 1806 seine Stadtmauern schleifen. Unfreiwillig gab dies der Stadt die Möglichkeit, eine seinerzeit deutschlandweit beachtete Parkanlage, die Wallanlagen, zu schaffen, an deren äußerer Grenze in der Folge klassizistische Villen entstanden. Das Allerheiligentor blieb nun dauerhaft geöffnet, die entlang der Hanauer Chaussee liegende Vorstadt wurde zum beliebten Neubaugebiet, aus dem zum Ende des 19. Jahrhunderts das Ostend als traditioneller Arbeiterwohnort erwuchs.

Seine Grenze im Süden ist der Main, zur Stadt hin wird es begrenzt durch die Wallanlagen, bis der Sandweg und dessen Verlängerung, die Arnsburgerstraße und das Bürgerhaus Bornheim (Saalbau) die Grenze zu Bornheim markieren. Die Bornheimer Landwehr bildet den weiteren Grenzverlauf Richtung Osten bis zum Ostpark. Die Grenze verläuft weiter entlang des Ratswegs, dann Richtung Osten entlang der Eisenbahngleise, schließlich grenzt die Carl Benz-Straße das Ostend von Fechenheim ab, bis die Dieselstraße den Grenzverlauf Richtung Main übernimmt.

Im Jahr 2019 zählte das Ostend 29 477 Einwohner. Da Frankfurt insgesamt 758 674 Einwohner hatte, ist dies bei 46 Stadtteilen recht hoch. Die Tendenz ist stark wachsend, wie am Beispiel der Neubaugebiete zwischen der Eisenbahn und dem Main zu sehen ist. Das Ostend hat eine Fläche von 5,56 Quadratkilometern; von der Gesamtfläche werden rund 10 Prozent durch Naturflächen belegt, vor allem durch den Main und den Ostpark. Die Siedlungsfläche besteht zu einem Fünftel aus Wohnbau, die gute Hälfte sind Industrie- und Gewerbefläche, ein Siebtel sind Sport und Freizeit gewidmet.

Vor allem auf Grund des Hafens ist der Anteil der Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe Ostend mit 10,3 % auffallend hoch. Recht viele neue Gewerbeanmeldungen verzeichnet das Ostend: Es ist ein beliebter Arbeitsort, wofür auch der mit 73,2 % hohe Anteil der erwerbsfähigen Bevölkerung spricht. Zudem hat sich das Ostend zum Standort für den bedeutendsten Internetknoten der Welt (DE-CIX) entwickelt.

Die Bevölkerung im Ostend wächst schneller als im Frankfurter Schnitt: von 2008 bis 2018 gab es einen Zuwachs von 14%. Obendrein entstanden und entstehen in den Neubaugebieten entlang der Ferdinand Happ-Straße, der Honsellstraße und jüngst auf dem alten Mercedes-Areal Hunderte neuer Wohnungen, Wohnraum für über tausend Menschen, so dass das Ostend in naher Zukunft über 30 000 Einwohner zählen wird. Im Jahr 2018 lebten hier 3184 Paare ohne Kinder und 2476 Familien mit Kindern. Die letzte Gruppe teilt sich auf in 1951 Paare und 525 Alleinerziehende.

Das Frankfurter Ostend ist neben der Innenstadt der Stadtteil mit der größten Zahl an Kultureinrichtungen. Zu den 15 Einrichtungen zählen international renommierte wie das Ensemble Modern, das Künstlerhaus Mousonturm, die Romanfabrik, aber auch das Kabarettheater die KÄS, die Katakombe und das Theater Willy Praml. Dies ist Zeichen für den Wandel des Stadtteils, denn die meisten der Kultureinrichtungen sitzen in vormals industriell oder gewerblich genutzten Häusern.

 

Hier tut sich was

1. Wohnkomplex Wittelsbacherallee 16-26 /Waldschmidtstraße 41-45a

In dieser großen Wohnanlage mit 257 Wohnungen lief Ende Dezember 2020 die Mietpreisbindung aus. Mieterhöhungen bedrohen die dort wohnenden Menschen. Der Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef (SPD) hat dem Eigentümer, einem privaten Immobilienkaufmann, ein finanzielles Angebot gemacht, um die Sozialbindung der Wohnungen zu verlängern, leider ohne Erfolg. Die Erfahrung lehrt, gegen Wohnungsspekulation helfen nur bessere Gesetze. Beispielsweise durch eine landesrechtliche Regelung gegen Wohnraumzweckentfremdung, Ausweitung von Milieuschutz- und Erhaltungssatzungen und ein gemeindliches Vorkaufsrecht. Die Ausübung von Vorkaufsrechten wird vor allem durch den zuständigen CDU-Stadtrat Jan Schneider blockiert.

2. Neue Grundschule in der Theobald Christ-Straße

Aufgrund des Bevölkerungswachstums im Ostend werden auch neue Schulen benötigt. Die Schuldezernentin Sylvia Weber (SPD) hat nach jahrelangem Nichtstun ihrer Vorgängerin Sarah Sorge (Grüne) einen Schulentwicklungsplan erstellt und konsequent den Bedarf für eine neue Grundschule im Ostend festgestellt. Diese wird ab 2023 auf dem Gelände des jetzigen Clementine-Kinderhospitals zwischen Hölderlin- und Theobald Christ-Straße gebaut. Auf fünf Geschossen wird dort zukünftig unterrichtet, im Tiefgeschoß wird Sport getrieben Zum Schuljahr 2025/26 soll die neue Grundschule eröffnet werden. Das Kinderhospital entsteht neu auf dem früheren Gelände des St. Marien Krankenhauses.

3. Paul Arnsberg-Platz

Diese betonierte Aufenthaltsfläche mit unauffälliger Begrünung trägt den Namen eines bedeutenden Mannes der Frankfurter Geschichte: Paul Arnsberg gilt als der Historiograph der großen Geschichte der Frankfurter Juden. Der abstoßende Charme des Platzes ist seit längerem ein Ärgernis für die Anwohner. Es gründete sich eine Bürgerinitiative unter Beteiligung von SPD-Mitgliedern, deren Vorschläge in einen ansprechenden städtischen Entwurf mit Pergolabegrünung, Sitzbänken an vielfältigen, schattenspendenden Bauminseln, zahlreichen Blumenhochbeeten, Trinkbrunnen und einer Blumenwiese Richtung Sonnemannstraße mündete.


(Plan als PDF-Datei öffnen)

4. Danziger Platz

Der Danziger Platz, ein Juwel an der Perlenkette der hässlichsten Plätze Frankfurts, wird erst nach Abschluss der Bauarbeiten der Nordmainischen S-Bahn neu gestaltet werden können. In den nächsten Jahren soll dort ein Tunnel gebaut werden sowie eine unterirdische S-Bahnstation entstehen. Die S-Bahn geht laut jüngsten Bekundungen des Verkehrsdezernenten Klaus Oesterling (SPD) frühestens im Jahr 2028 in Betrieb. Solange der Platz ein Loch ist, wollen wir mit Bürgerinnen und Bürgern einen Dialog darüber führen, wie der Danziger Platz in Zukunft aussehen soll.

5. Honsell-Dreieck

Die Wohnungsbebauung an der Honsellstraße und gemischte Bebauung am Honsell-Dreieck gehen auf den früheren Planungsdezernenten Olaf Cunitz (Grüne) zurück. Kein Wunder, dass die Wohnungen an der Honsellstraße zu einem Mietpreis von 18 Euro an den Markt gehen, sogar für Sozialwohnungen wird ein Quadratmeterpreis von 13,50 Euro verlangt. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Mietpreis im Ostend liegt bei 10,87 Euro (mietspiegeltabelle.de). Eine solche, dem freien Markt überlassene Bebauung ist mit der Frankfurter SPD nicht denkbar.

Die Römer-CDU verfolgt übrigens unter Leitung ihres Ostendstadtverordneten Thomas Dürbeck die schräge Idee, im Osthafen die neue Theaterdoppelanlage (Schauspiel & Oper) zu bauen – als träumten sie von einer Mainphilharmonie. Wir verteidigen den städtischen Beschluss für den Erhalt der gewerblichen Arbeitsplätze im Osthafen.

6. Osthafenplatz

Die Sanierung und der Umbau des Platzes haben im April 2019 begonnen, die Fertigstellung ist für Dezember 2021 geplant. Die SPD-Ostend setzt sich dafür ein, bei dieser Sanierung nicht nur an Parkplätze zu denken, sondern den Platz auch für die dort lebenden und arbeitenden Menschen zu gestalten, auf dem man beispielsweise die um die Ecke bei Gref-Völsings gekaufte gute Wurst verzehren kann. Auf dem Osthafenplatz steht völlig vergessen eine alte Pferdetränke, die zur Zeit des Osthafenbaus (1908-1912) nötig war: Diese Tränke sollte in den für Menschen angelegten Platz integriert werden.

7. Luxemburger Allee


Unter Beteiligung der Nachbarschaft entstand ein Entwurf für die Neugestaltung der rund 400 Meter langen Grünfläche auf der Luxemburgerallee, der jüngst im Ortsbeirat 4 vorgestellt wurde. Der Spielplatz soll um einen Bereich für Kleinkinder erweitert werden. Der vorhandene Spielplatz wird nicht verändert. Für Jugendliche wird u. a. eine zusätzliche Tischtennisplatte, Poller für eine Slackline und ein Holzdeck zum Abhängen aufgebaut. Neu anlegen will die Stadt den Rosengarten. Die Arbeiten beginnen im Frühjahr 2021, die Fertigstellung der Arbeiten ist für das Frühjahr 2022 vorgesehen.

8. Schwedlerbrücke

Seit vielen Jahren ist die Schwedlerbrücke, eine Verbindung vom Ostpark über die Bahngleise des Güterbahnhofs Ost zur Hanauer Landstraße, abgerissen. Für viele war diese Brücke der kürzeste Weg vom Wohnort zu ihrer Arbeit im Gewerbegebiet an der Hanauer Landstraße. Ein Magistratsbericht vom Herbst 2019 sieht einen Baubeginn im Jahr 2022 vor. Das alte Industriedenkmal soll restauriert werden, zu beiden Seiten sind Aufzüge vorgesehen.

9. Neubaugebiet Mercedes-Areal

Das neue Wohnviertel entlang der Ferdinand Happ-Straße wurde vom früheren Planungsdezernenten Olaf Cunitz (Grüne) angestoßen, mit fast gar keinen Auflagen. Sein Nachfolger Mike Josef (SPD) konnte im Nachgang immerhin 30 % geförderte Wohnungen hinein verhandeln. Das neue Bauprojekt auf dem ehemaligen Mercedes Areal sieht eine Aufteilung von 70 % Wohnen zu 30 % Gewerbe vor. Das neue Areal wird zu etwa 30 % aus öffentlicher und zu 70 % aus privater Fläche bestehen. Auf den Gemeinbedarfsflächen wird unter anderem eine Kita entstehen. Insgesamt entstehen hier Wohnungen für rund 700 Personen. Die SPD konnte auch hier nachträglich erwirken, dass 200 Wohnungen im geförderten Bereich liegen.

 

Kandidaturen

Unsere Kandidatinnen und Kandidaten für den Ortsbeirat 4

Elisa Galir, 30 Jahre, ledig, Beruf: Rechtsanwältin im privaten Bau- und Architektenrecht. Ich trete für die Verkehrswende in Frankfurt ein. Zu einer lebenswerten Stadt gehören für mich autofreie Innenstädte, öffentliche Plätze, auf denen Begegnungen stattfinden, man flanieren und entspannen kann sowie eine Begrünung, die saubere Luft und Schatten spendet. In diesem Zusammenhang mache ich mich ebenfalls stark für eine Wiederbelebung des Einzelhandels, Smart City Projekte und eine Durchmischung der Quartiere, um Gentrifizierung vorzubeugen.

Daniel Vargas, 34 Jahre, ledig, von Beruf Cellist, Komponist und Instrumentalpädagoge. Gleichheit bedeutet nicht das Recht auf dasselbe Ergebnis, sondern die gleichen Chancen für alle, unabhängig von der finanziellen, ethnischen oder geografischen Herkunft. Um dies möglich zu machen, setze ich mich für ein Frankfurt ein, das bezahlbaren Wohnraum, ein zugängliches und vielfältiges Kulturangebot und eine gerechtere Bildung anbieten kann. So dass wir eine Zukunft gestalten, in der sich jede Person entfalten kann, wie es ihr passt und nicht wie sie muss.

Volker Wolf, 46 Jahre, ledig, Finanzanalyst, seit Ende 2006 Mitglied des Ortsbeirats 4 Bornheim/Ostend. Ich engagiere mich für den Erhalt von bezahlbarem Wohnraum in unseren Stadtteilen und die Beteiligung der Bevölkerung an der Gestaltung unserer Quartiere, wie bei Spielplätzen, Parks und problematischen Verkehrskreuzungen. Ich möchte, dass sich die Menschen in unseren Vierteln gehört fühlen und ihre Anregungen im Ortsbeirat ein offenes Ohr finden. Ein weiteres zentrales Thema ist für mich zudem der Öffentliche Nahverkehr mit S-, U- und Straßenbahnen sowie Bussen, um die Mobilität in einer dicht bebauten Stadt wie Frankfurt ansprechend und zukunftsweisend zu organisieren.

YouTube-Video

Bornheim und das Ostend bilden den Ortsbezirk 4. Die SPD im Ortsbeirat nimmt Sie mit auf eine politische Reise durch die Stadtteile.

Unsere Kandidaten für die Stadtverordnetenversammlung

Jürgen Gasper, 60 Jahre, verheiratet. Beruf: Vorsitzender Richter am Verwaltungsgericht Frankfurt am Main, Mitglied des Hessischen Staatsgerichtshofes. Ich trete für den Erhalt und den Ausbau der öffentlichen Daseinsvorsorge ein. Seit Jahren kämpfe ich dafür, dass die S-Bahnstation Ostend durch den Bau eines Aufzugs barrierefrei wird. Mein zentrales Anliegen ist die Schaffung und der Erhalt bezahlbaren Wohnraums. Auch für die LGBT-Community, zu der ich selbst gehöre, will ich eine starke Stimme in der Stadtverordnetenversammlung sein.
https://de-de.facebook.com/juergen.gasper

Dr. Michael Hohmann, 66 Jahre, verheiratet. Beruf: Geschäftsführer der Romanfabrik. Ich trete ein für das kommunale Ausländerwahlrecht und für mehr Kultur für alle. So möchte ich dafür sorgen, dass im Pavillon am Teich im Ostpark zukünftig im Sommer Schulbands, Chöre und weitere Musikanten auftreten. Ich trete ein für bezahlbaren Wohnraum und für Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

Armand Zorn, 32 Jahre, ledig. Beruf: Unternehmensberater. Ich trete für ein soziales, nachhaltiges und innovatives Frankfurt ein.  Ich möchte die Digitalisierung vorantreiben und dafür sorgen das Smart City Projekte menschenzentriert, inklusiv und verständlich gestaltet werden. Des Weiteren kämpfe ich für ein offenes und modernes Frankfurt als Grundlage für das friedliche Zusammenleben der verschiedenen Kulturen.